Im Jahr 1087
stahlen Bari-Kaufleute die Knochen des Heiligen Nikolaus.
Aus der Türkei.
Nach Bari.
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Der Heilige Nikolaus war Bischof in Myra.
Heute Demre, in der Türkei.
Gestorben um 343 nach Christus.
Seine Knochen wurden in einer Kirche aufbewahrt.
Für 700 Jahre.
Ganze Pilger-Reisen für den Heiligen.
Im 11. Jahrhundert war die Region Myra schwächer.
Die Türken hatten erobert.
Der Schutz der Kirche war fragwürdig.
Bari, eine süditalienische Hafenstadt, beschloss zu handeln.
Im April 1087 segelten 62 Bari-Kaufleute nach Myra.
Mit drei Schiffen.
Sie kamen in der Kirche an.
Umgaben die Mönche.
Drohten mit Waffen.
Nahmen die meisten Knochen mit.
Nach Bari brachten sie sie.
Am 9. Mai 1087.
Man baute ein neues Mausoleum.
Die Basilica di San Nicola.
1098 fertiggestellt.
Die Bari-Bürger waren stolz auf ihren „Diebstahl".
Man verteidigte ihn als rettenden Akt.
„Wir haben den Heiligen vor den Ungläubigen geschützt."
Im Glauben des Mittelalters: legitime Bewahrung.
Im modernen Recht: Diebstahl.
900 Jahre später liegen die Knochen noch in Bari.
In der Krypta der Basilica.
Für Pilger zugänglich.
Die Knochen produzieren angeblich eine Flüssigkeit.
Die „Manna".
Wird einmal im Jahr — am 9. Mai — entnommen.
Verteilt an Gläubige.
Der Heilige Nikolaus ist Vorlage für den Weihnachtsmann.
Vom russischen Märchen über die holländischen Sinterklaas
bis zum amerikanischen Santa Claus.
Alle gehen auf den Bari-Heiligen zurück.
Die türkische Stadt Demre will die Knochen heute zurück.
900 Jahre nach dem Diebstahl.
Bari weigert sich.
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Manche Heilige werden verehrt.
Manche werden gestohlen und dann verehrt.
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